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Wir haun nochmal so richtig auf die Kacke |
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Ganz im Stil des Golden Age übten sich die meisten Verlage Anfag der 90er wieder einmal in maßloser Selbstüberschätzung. Ein Phänomen, dass man im Grunde sowohl in gesellschaftlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht immer wieder beobachten kann trat ein: bevor es abwärts geht, wird noch einmal so richtig geprasst.
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Bei Marvel und DC setzte man zunehmend auf teure Gimmicks wie spezielle Cover Varianten z. B. mit aufwändigen Hologrammen. Natürlich mit entsprechendem Preis, um die Nachfrage zu steigern. Die Qualität der Storys geriet dabei zunehmend aus dem Blickfeld, stattdessen wurde der Hype um so genannte Star Zeichner wie Todd McFarlane, Jim Lee oder Rob Liefeld angeheizt, deren zeichnerische Qualität vor allem in Pin-Up artigen Einzelbilder, aber nicht in der Erzähltechnik lag. Der absolute Höhepunkt war erreicht, als Marvel 1991 eine neue X-Men Serie mit 5(!!!) verschiedenen Covern, aber identischem Inhalt und einer Auflage des ersten Heftes von 8 Millionen(!!!) Exemplaren startete.
Den Rummel, den Marvel um seine Star Zeichner gemacht hatte, begann man sehr schnell zu bereuen, als sich die Zeichner mit den höchsten Verkaufszahlen - Todd McFarlane, Jim Lee, Rob Liefeld und Jim Valentino – 1992 verabschiedeten und mit Image Comics ausgesprochen medienwirksam ihren eigenen Verlag gründeten.
Jeder der vier startete seine eigene Serie, aber als einziger konnte sich Todd McFarlane mit seinem Titel Spawn am Markt durchsetzen. Im Kino brach »Batman Returns« alle bisherigen Rekorde und spielte 46 Millionen Dollar ein. DC nutzte die Aufmerksamkeit die den Comic Figuren aufgrund von Kinoerfolgen in der Öffentlichkeit geschenkt wurde und baute den Tod von Superman als Medienereignis auf. Diesem Ereignis kam eine breite Berichterstattung zuteil um so eine neue Käuferschicht von »Nicht-Comic Geeks« in die Comic Shops zu locken. Supermans Tod ereignete sich in Superman # 75 (November 1992). Im Folgejahr waren alle Superman-Titel den Ereignissen nach seinem Tod bis zu seiner Rückkehr gewidmet. DC hatte richtig kalkuliert und konnte Marvel 1993 im Punkto Verkaufszahlen überrunden.
Mit Supermans Tod waren die amerikanischen Comic Books der Neuzeit auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angelangt. Es kam zu einem letzten großen Wachstumsschub, der den Markt regelrecht überflutete, bevor Leser und Spekulanten endgültig die Nase voll hatten und sich zurückzogen. Es setzte eine neue Dürreperiode ein.
Der Sammlermarkt zeigte also deutliche Sättigungserscheinungen und viele Comic Books der Neuzeit, die vor allem an der amerikanischen Ostküste für hunderte von Dollar gehandelt wurden, fielen innerhalb weniger Monate oder sogar Wochen auf einen Bruchteil ihres Kaufwertes. Neu in den Markt gekommene Sammler, die geglaubt hatten mit 100 Ausgaben von Superman # 75 eines Tages die Universitätsausbildung ihrer Kinder finanzieren zu können, wandten sich nun enttäuscht neuen Spekulationsobjekten zu. All die neuen Leser, die der Medienrummel um Batman und Superman kurzfristig zu begeisterten Lesern gemacht hatte, fanden Comics wegen der mangelnden Repräsentanz im Fernsehen doch nicht mehr so schick und füllten ihr Leben nun lieber wieder mit Chips, Bier und ihren Lieblings-Soaps aus.
Was der Comic Branche blieb, war letzten Endes ein erneuter (Gesund?-)Schrumpfungsprozess mit etlichen eingestellten Serien, verschuldeten Verlagen und bankrotten Comic Shops. Marvel ging Ende der 90er-Jahre in die Pleite, wurde ziwschenzeitlich sogar von den Fans boykottiert und konnte nur durch einen Verkauf am Markt bestehen bleiben. DC-Comics wanderte in den Besitz von AOL/Time-Warner und wurde somit Teil eines fast unüberschaubaren Medienimperiums, was an dem aktuellen Trend der Übertragung der Superhelden-Themen (da sind sie wieder) auf das Medium Kino deutlich wird.
Wie schon in den vorhergehenden großen Comic-Zeitaltern hatte sich auch diesmal wieder gezeigt, dass die allzu starre Ausrichtung auf die Superhelden zwar kurzfristig sehr hohe Gewinne abwirft, auf lange Sicht gesehen aber die Branche zerstört. Rückblickend kann man sagen, dass diese Verlage das Problem aller Unternehmen teilen, die sich mit Ihrem Produkten auf ein sehr enges Feld begrenzen: sie müssen sich immer wieder neu erfinden, weil das Interesse der Fans auf dauer schwindet.
Dark Horse Comics hatten sich bereits »Celebrate the Diversity« auf’s Banner geschrieben, als Superhelden zum letzten mal das A und O der Branche waren, und damit den Markteinbruch gut überstanden. Was das American Comic Book letztendlich am Leben hält, ist ein breit gefächertes Angebot an Genres mit Geschichten für jede Altersgruppe, die Spaß am Lesen von Comics hat. Dabei lässt sich feststellen, dass der europäische Einfluss in den USA eher begrenzt zum Ausdruck kommt. Ein ganz anderes Phänomen stellen dagegen die asiatischen Strömungen dar, die sich seit Mitte der 90er-Jahre zunehmend sowohl in den USA als auch in Europa bemerkbar machen - in Form der Mangas. |
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Die Geschichte des »american comic book« (Teil 27 von 27) |
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