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Jack Kirby Biografie

Bibliografische Daten zu »Jack Kirby«
Es besteht kein Zweifel daran, dass Jack "The King" Kirby die wichtigste und einflussreichste Person in der Geschichte der amerikanischen Comicbooks war. Er hat im Laufe seiner 70jährigen Karriere an die 24.000 Comicseiten gezeichnet, Zeitungsstrips nicht mitgerechnet. Das Erscheinungsbild des amerikanischen Comicmarktes wird heute noch wesentlich von Kirbys Schöpfungen und seinen stilistischen Vorgaben geprägt.
Jack Kirby wurde am 28.08.1917 als Jacob Kurtzburg in "Hell's Kitchen" geboren, einem der berüchtigsten Stadtteile von New York City, USA. Seine Karriere begann er 1935 als Illustrator für das Animationsstudio von Max Fleischer. Nach einem Jahr wechselte er zum Lincoln Newspaper Syndicate, wo er kurzlebige Comic Strips wie Black Buccaneer und Socko the Seadog unter verschiedenen Pseudonymen zeichnete. Nach dem Konkurs des Lincoln Newspaper Syndicates war er vorübergehend für das berühmte Eisner-Iger Studio tätig, bevor er 1941 zusammen mit Joe Simon die Figur Captain America ins Leben rief.

Kirby und Simon hatten sich einige Monate vorher kennengelernt und ein gemeinsames Studio eingerichtet. Sie versuchten als Zeichner-Team ihre Arbeiten bei verschiedenen Verlagen unterzubringen, als von Timely die Anfrage kam, eine patriotische Comicfigur als Konkurrenzprodukt zu The Shield von Pep Comics zu entwickeln. Ihre Schöpfung, Captain America, ein klassischer Superheld ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, wurde sofort zur amerikanischen Ikone und zum moralischen Gewissen der Nation. Captain America kämpfte gegen Hitler und die Nazis und bereitete so die Stimmung für den Kriegseintritt vor.

Der große Erfolg der Serie gab Kirby die Möglichkeit, seinen Zeichenstil weiterzuentwickeln und unter Einsatz perspektivischer Verkürzungen und eines filmischen Erzählflusses die Grenzen des Mediums Comic neu zu setzen. Begeistert waren die Leser auch von der zu diesem Zeitpunkt fast revolutionären Idee, ein einziges, doppelseitiges Panel in die Heftmitte zu setzen.

Der Berühmtheitsgrad, den das Gespann "Simon & Kirby" bei der Comic Fangemeinde hatten und der damit einhergehende finanzielle Erfolg für Timley, wurde vom Konkurrenten DC Comics missmutig beobachtet. Mit einem lukrativen Angebot und dem Versprechen das Label "by Simon & Kirby" unter den Titelschriftzug zu setzen, gelang es 1942 die beiden abzuwerben. Sandman by Simon & Kirby wurde in Adventure Comics veröffentlicht, bis Kirby und Simons 1943 eingezogen wurden.

Nach Ihrer Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg, entwarfen Jack Kirby und Joe Simon 1945 zuerst für Harvey Comics neue Serien, ab 1947 dann für Crestwood. Für diesen Verlag entwickelten sie mit Black Magic einen der angesehensten Horror Titel der 50er Jahre und brachten mit Young Romance Comics den Liebesroman in die Comic Books.

Um den Gewinn aus ihrer Arbeit noch zu steigern, gründeten Simon und Kirby 1954 Mainline Comics und wurden selbst verlegerisch tätig. Unter diesem Banner erschien 1954 auch The Fighting American als Antwort auf einen Relaunch von Captain America bei Timely. Kirbys output lag in dieser Zeit bei 20 Seiten pro Woche.

Das Aufbegehren der amerikanischen Moralisten gegen die Comicbooks, in denen man glaubte die alleinige Ursache für Jugendkriminalität gefunden zu haben, und der daraus resultierende politische und gesellschaftliche Druck, führte dazu, dass zwischen Ende 1954 und Anfang 1955 fast 350 Comicserien eingestellt wurden.
Viele Comicverlage verschwanden in der Versenkung, darunter auch Mainline Comics. Kirby ging wieder zu Crestwood, die sich jetzt Prize nannten, und zeichnete mit Joe Simon als Redakteur wieder Young Romance & Young Love bis auch Prize den Betrieb einstellen mussten. Mit dem Ende von Prize endete auch die künstlerische Zusammenarbeit von Simon und Kirby.

Die nächste Anlaufstelle für Kirby um seinen Broterwerb zu sichern, war DC Comics, einer den wenigen Comicverlagen, die im Geschäft geblieben waren. Er zeichnete vorerst Green Arrow für Adventure Comics, außerdem Science Fiction und Horror Stories. Der Erfolg von Infantinos Flash in Showcase ebnete auch für Kirby wieder die Bahn, eine neue Serie zu entwickeln und so folgte 1957 das Debüt von Challengers of the Unknown ebenfalls in Showcase. Das Konzept der Serie erinnert bereits stark an die ab 1961 erscheinenden Fantastic Four: Überlebende eines Flugzeugabsturzes werden zum Superteam und retten die Welt vor ebenfalls übermenschlich auftretenden kriminellen Elementen.

Neben der Arbeit für DC wurde Kirby mit dem Zeitungsstrip Skymasters auch wieder als selbstständiger Comicschöpfer tätig. Der Comicstrip wurde von 1957 bis 1959 in Tageszeitungen abgedruckt und u.a. von Wally Wood geinkt.

Mit dem Wechsel zu Marvel und der 1961 beginnenden Zusammenarbeit mit dem Herausgeber und Autor Stan Lee, legte Kirby den Grundstein für den zweiten Höhepunkt seiner Karriere. Der Beginn des Silver Ages der amerikanischen Comic Books wird wohl weit häufiger mit den Kirby/Lee Kreationen der frühen sechziger als mit den eigentlichen Initiatoren aus dem Hause DC assoziiert. Alles begann mit den Fantasic Four, die in kürzester Zeit zur bestverkauftesten Comicserie wurden. Superheldencomics wurden jetzt entgültig wieder marktbeherrschend und verdrängten bis zum heutigen Tag jedes andere Genre in ein Nischendasein. Stan Lee und Jack Kirby standen für einige Jahre hinter fast jeder Comicfigur, die in den Marvels publiziert wurde und den Verlag an die Spitze der Comicindustrie katapultierte. Erst als es 1970 zu Streitigkeiten über eine finanzielle Beteiligung am Verkaufserfolg kam, verlies Kirby Marvel um wieder bei DC einzusteigen.

Der überwältigende Erfolg, den Kirby Marvel beschert hatte, veranlasste DC dazu, ihm als Redakteur, Autor und Zeichner freie Hand zu lassen. Kirby lies seinem kreativen Potential freien Lauf und entwarf knapp ein Dutzend unterschiedlicher Serien, darunter auch seine Fourth World Saga mit den Titeln New Gods, Mister Miracle und Forever People. Waren seine Figuren und auch ähnlich phantasievoll angelegt wie die Marvelschöpfungen, so wurde doch häufig kritisiert, dass ein Autor vom Kalieber eines Stan Lee nötig wäre, um ihnen die nötige Tiefe zu verleihen. Der große Erfolg stellte sich nicht ein und Kirby wechselte Mitte der 70er wieder zu Marvel.

In den 80ern rückte die Frage nach den "Creators Rights" und die damit verbundene angemessene finanzielle Würdigung ihrer Arbeit bei den Comicschaffenden in den Mittelpunkt des Interesses. Independent Publisher wie Pacific Comics gaben Autoren und Zeichnern die Möglichkeit auf einem breiten Markt zugeschnittene Comicserien zu publizieren und trotzdem alle Rechte an den Charakteren zu behalten. Kirby veröffentlichte bei Pacific die beiden Serien Captain Victory and the Galactic Rangers und Silver Star. In Zusammenarbeit mit Steve Gerber entstand Destroyer Duck. Gerber hatte nach Streitigkeiten über seine Rechte an der Serie Howard the Duck Marvel Comics vorerst den Rücken gekehrt.

Mitte der 80er kehrte Kirby nochmals zu DC zurück, um an seinem Fourth World Epos weiter zu arbeiten. Zur Veröffentlichung kamen eine Super Powers Mini-Serie, eine Hunger Dogs Graphic Novel und ein Abschlussband für einen New Gods Nachdruck.

Jack Kirby zog sich Ende der 80er Jahre ganz aus der Comicbranche zurück und starb nach längerer Krankheit am 6. Februar 1994 an Herzversagen.
Letzte Bearbeitung von mindeleven am 19.02.07, 14:47 h.

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